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Der Rasen-Schnitt ist entscheidend

Warum mähen?

Ja, die Frage ist durchaus ernst gemeint. Wir mähen nicht nur, weil das Gras sonst zu hoch wird. Mit dem Schnitt beeinflussen wir ganz wesentlich das Rasenbild. Durch den Schnitt regen wir die Gräser zu dichterem Wachstum an und fördern so eine feste, strapazierfähige Grasnarbe.
Gleichzeitig halten wir die großblättrigen, höher wachsenden Unkräuter in Schach. Es gibt auch keine Alternative zum mähen, wenn wir unseren Rasen nutzen wollen. Boccia auf der Wiese macht nämlich nicht wirklich Sinn. Selbst einfache Spiele auf 20cm hohem Rasen würden ihm zusetzen.

 

Wie hoch?

„Je kürzer, desto besser“, heißt es allgemein. Da ist was dran, aber alles hat seine Grenzen. Die wollen wir etwas genauer beleuchten.

Die Rasengräser werden durch starken Schnitt geschwächt. Deshalb Regel Nr.1: Schneiden Sie etwa ein Drittel der Halmlänge. Das verkraften die Gräser noch gut und sie wachsen ohne Stockung weiter. Wird die Hälfte oder gar noch mehr gekürzt, ist das Stress für den Rasen und das Wachstum würde erst mal stoppen. Die Folge: es bilden sich erste Lücken, worauf Unkräuter schon lange gewartet haben. Beispiel: Lassen Sie Ihren Rasen bis auf knapp 8 cm wachsen und mähen ihn dann auf 5 cm herunter.

Damit sind wir bei der Mindestschnitthöhe und Regel Nr. 2: Gebrauchsrasen nicht tiefer als 4cm; Zierrasen nicht tiefer als 3cm mähen! Schneiden Sie lieber etwas höher, als zu tief. Pflanzen brauchen Blattfläche, um assimilieren und damit wachsen zu können. Werden sie ständig am Minimum gehalten, können sie kein üppiges Wachstum entwickeln.

Mit dem Schnitt steuern Sie auch die Zusammensetzung Ihres Rasens. Durch regelmäßiges Mähen erhalten Sie das ursprünglich breite Gräsersortiment.
Mähen Sie dagegen unregelmäßig, lassen die Gräser auch mal 20cm hoch werden – man will ja schließlich Zeit sparen – verabschieden sich die anspruchsvolleren Gräser. Der Rasen wird in seiner Zusammensetzung grobblättriger und lückenhaft.

Regel Nr. 3: Schonschnitt bei Hitze. Im Hochsommer, bzw. während Hitzeperioden, sollten Sie niemals kurz mähen!!! Wärme fördert das Wachtum – bis ungefähr 26°C. Bei höheren Temperaturen wächst die Pflanze immer langsamer. Bei über 30°C und sengender Sonne reduziert sie das Wachstum auf absolute Sparflamme. Haben Sie das auch schon bemerkt?

TiefschnittNun versetzen Sie sich mal in die Gräser: Die Halme sind 8 cm hoch und können den Boden ganz gut beschatten. Sie brauchen jetzt mehr Blattmasse, um den verlangsamten Stoffwechsel auszugleichen. Ganz allgemein gilt: je tiefer der Schnitt, umso optimaler muss der Boden sein im Hinblick auf Nährstoffversorgung und Bodenleben.

Die Sonne brennt schon seit Tagen und kein Ende der Hitzeperiode in Sicht. Da nähert sich der Rasenmäher und rasiert alles auf 4 cm ab…
Was dann folgt, kennen Sie sicher. Bei kurzem Schnitt während Hitzeperi­oden verbrennt der Rasen. Das können Sie auch durch intensives Bewässern nicht mehr verhindern, allenfalls mildern.

Das Foto rechts zeigt den Unterschied, einen Tag nach dem Schnitt: rechts 4cm , links 5,5cm Schnitthöhe

 

Wie oft?

Nach oben genannter „ein-Drittel-Regel“ sind Schnitthäufigkeit und Schnitthöhe nicht zu trennen. Wie gesagt: Regelmäßig ist Trumpf. Mähen Sie 10-12 mal pro Jahr, werden Sie einen durchschnittlichen Gebrauchsrasen haben. Mäßig strapazierfähig, mit einigen Unkräutern durchsetzt und insgesamt eher lichter Grasnarbe. Das ist durchaus in Ordnung – Sie dürfen nur keine höheren Erwartungen an Ihren Rasen haben. 10-12 Schnitte heißt z.B., von April bis Juni alle 2 Wochen, von Juli bis Oktober im 4 Wochen-Rhythmus. Die „ein-Drittel-Regel“ wird bei 10 Schnitten / Jahr auch gar nicht mehr beachtet.

Der Rasen wächst im August ca. 10-15 cm und wird nur 1x gemäht. Da ist leicht mehr als die Hälfte weg… Möchten Sie es etwas an­ spruchsvoller, einen strapazierfähigen Gebrauchsrasen mit dichter Narbe bei wenig Unkrautbesatz, sollten Sie etwas mehr Zeit investieren.
18-25 Schnitte Pro Jahr sind eine gute Grundlage für einen respektablen Spiel- und Gebrauchsrasen. Bei Sportrasen eher 25-30 Schnitte.

Ein Mähkalender könnte in unseren Breiten z.B. so aussehen:


IMGP1924Übrigens: Besonders viel Zeit sparen Sie nicht, wenn Sie nur 10x pro Jahr mähen. Der Rasen steht dann schnell mal 12-18cm hoch und den z.B. auf 6-8cm zu mähen, braucht ungefähr die doppelte Zeit, als von 8 auf 5cm zu mähen. Das ist natürlich abhängig von Ihrem Rasenmäher – womit wir beim nächsten Thema wären.

Für Top­Zierrasen sollten Sie ca. 30-40 Schnitte investieren. Hier ist die Regelmäßigkeit besonders wichtig. In den Haupt-Wachstumsmonaten im Frühjahr dürfen Sie 2 mal pro Woche mähen. Ich habe Ihnen jetzt Zahlen genannt, was ich gar nicht gerne mache. Die Schnitthöhe und vor allem die Anzahl der Schnitte pro Jahr sind nämlich ganz wesentlich abhängig von den Wachstumsfaktoren, also Boden, Witterung und vor allem Düngung. Bei den angegebenen Zahlen bin ich von optimalen Bedingungen ausgegangen.

 

Wohin mit dem Schnittgut?

Das Gras in die Biotonne zu kippen, wird vom lieben Gott bestraft. Ok, wenn Sie gar keine andere Möglichkeit haben, keinen Komposter, keine Mulchflächen, dann wird er Ihnen das verzeihen – und ich auch. Wird der Bioabfall auch tatsächlich in Kompostieranlagen wieder verwertet (nicht einfach verbrannt), ist das auch in Ordnung.

Die zweitbeste Verwertung ist die Kompostierung. Sie ist allerdings mit Problemen behaftet, wenn Sie das Gras einfach in den Komposter kippen: Das fein geschnittene Gras setzt sich dicht zusammen, weil es zu 90 % aus Wasser besteht. Es lässt kaum Luft heran und so fehlt ihm die Grundlage zur schnellen Verrottung – es kommt zum faulen. Eine schmierige, stinkende Masse entsteht, die kaum verwertbar ist.

Die richtige Kompostierung von Grasschnitt ist etwas aufwändig. Sie sollten darauf achten, dass immer genügend Luft ans Gras kommt. Bringen sie das Gras lagenweise in den Komposter, nie mehr als 5 bis max. 8 cm hoch. Dann folgt eine dünne Schicht luftiges Material, bevor wieder die nächste Lage Gras folgt. Einige dünne Zweige, 1cm trockene Erde oder Torf, notfalls auch zerkleinerte, zusammengeknüllte Zeitungen (nicht das dickere Glanzpapier von Zeitschriften!). So hat der Grasschnitt genügend Luft, um schnell zu verrotten und kann als Humus dem Boden wieder zugeführt werden.

DSCI0031Die Königslösung ist das Mulchen. Bei einem ausgewogenen Verhältnis von Rasen- zu Pflanzflächen ist es die beste Lösung, die Pflanzflächen mit dem Rasenschnitt abzudecken. Das hat bestechende Vorteile:
• Die Bepflanzung bzw. der Boden ist vor Wasserverdunstung und damit vor Austrocknung geschützt
• Grasschnitt ist ein hervorragender Unkrauthemmer. Wenn Sie nicht gerade eine blühende Wiese mähen, in der viele Unkrautsamen versteckt  sind, verhindert das Mulchen unerwünschten Bewuchs. Wurzelunkräuter können dennoch durchkommen, es dauert aber länger.
• Der organische Kreislauf bleibt geschlossen. Rasenschnitt ist nährstoffreicher Humuslieferant und bleibt Ihrem Garten erhalten.

 

So mulchen Sie richtig

DSCI0040Die Pflanzfläche sollte unkrautfrei sein. Verteilen Sie das Schnittgut ca. 4-5 cm stark auf den Gehölzflächen. Stärkerer Auftrag kann bei feuchter Witterung, durch Luftmangel, zu Fäulnis führen. Bei dünnerem Auftrag verrottet das Gras schneller und der Unkrautbewuchs wird nur schwach gehemmt. Bis zum nächsten Schnitt nach 1-2 Wochen können sie in der Regel wieder Gras aufbringen.
Sicher erfordert diese Art zu mulchen für Viele ein Umdenken. Wer die Pflanzfläche immer schön sauber mit Rindenmulch abdeckt oder gar eine Steinwüste daraus macht, der wird sich mit dem natürlichen mulchen nur zögerlich anfreunden. Vermutlich lässt sein ästhetisches Empfinden den Rasenmulch nicht zu. Lässt er sich darauf ein, wird er merken, dass er mit natürlicher Gartenbewirtschaftung auf Dauer weiterkommt.

 

Besinnung unter Segeln – Tagebuch einer Atlantiküberquerung

Das Buch ist erschienen: Hardcover, 292 Seiten, 19,95 €
Spannung - Tiefgang - Reflexion.
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