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Unkrautbekämpfung im Rasen

Mechanische Kräuterbekämpfung

IMGP1260Sie wissen es schon: Das Universal-Rezept gegen unerwünschte Kräuter ist eine optimale Rasenpflege. Also kurzer, häufiger Schnitt, gute Nährstoffversorgung sowie optimale Standort- und Bodenverhältnisse. Nehmen dennoch unerwünschte Gäste überhand, ist zunächst Jäten angesagt. Zumindest im Anfangsstadium bringt das noch Erfolg.

 

Zupfen

Alle Kräuter, die kein massives Wurzelwerk haben, sind leicht zu zupfen bzw. auszureißen. Bei feuchtem Boden geht das einfacher als in trockenem Boden. Bei schweren Böden ist es deshalb manchmal schwierig, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Ist der Boden nämlich zu nass, schadet es ihm.

 

Ausstechen

IMGP1145Ich bewundere die geduldigen Gartenfreunde, die Stunden, ja Tage damit verbringen, Unkraut auszustechen. In der Tat ist Geduld gefragt, denn viele der ausgestochenen Pflanzen können aus einem kleinen Wurzelrest wieder austreiben, der im Boden stecken geblieben ist. Erst das beharrliche, immer wiederholte Ausstechen bewegt die Eindringlinge zur Aufgabe. Die schmalen Unkrautstecher sind dafür eine gute Hilfe.

 

Vertikutieren

Vielfach wird das Vertikutieren auch als Unkrautbekämpfung angepriesen. Bei Moosen und bei manchen Rosetten bildenden Kräutern ist das hilfreich. Gerade oberirdisch Ausläufer treibende Kräuter reagieren jedoch nach durchtrennen ihrer Ausläufer mit explosionsartigem Wachstum. Kein Wunder, denn an jedem Knoten können die Triebe Wurzeln schlagen und sind nach dem Vertikutieren eigenständige Pflanzen, die verstärkt wachsen.
Bevor Sie also verunkrautete Rasenflächen vertikutieren, prüfen sie genau, dass Sie sich durch ungewollte Unkrautvermehrung kein Eigentor schießen.

Möglichkeiten der Unkrautbekämpfung

Chemische Kräuterbekämpfung

IMGP1088Nicht ohne Grund bespreche ich die „chemische Keule“ zum Schluss. Es soll die letzte Möglichkeit sein, ungewollte Beikräuter los zu werden. Auch bei Unkrautbekämpfungsmitteln, so genannten „Herbiziden“, gilt das Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen (Pflanzenschutzgesetz). Demnach dürfen Pflanzenschutzmittel
– nur an Personen mit Sachkunde-Nachweis (z.B.Gärtner und Landwirte) oder
– speziell für den privaten Gebrauch im Hausgarten zugelassene ung gekennzeichnete Präparate und nur nach sachkundiger Beratung an Endverbraucher verkauft werden*.
– ausschließlich nach Indikation und den Hinweisen (auf dem Beipackzettel ausführlich erläutert) angewendet werden. Die Verantwortung dafür liegt immer beim Anwender.
*Theorie und Praxis stehen auch hier weit auseinander. So sind für den privaten Gebrauch nur Kleingebinde zugelassen. Im Internet werden aber jedem Pflanzenschutzmittel (auch Großpackungen) angeboten und verkauft, der versichert, „sachkundig“ im Sinne des Pflanzenschutzgesetzes zu sein. Nach meiner Erfahrung wird weder kontrolliert noch beraten.
Pflanzenschutzmittel dürfen genehmigungsfrei ausschließlich auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Flächen ausgebracht werden. Hierzu zählen nach derzeitigem Stand auch Hausgärten. Die Anwendung von Unkrautbekämpfungsmitteln auf Nichtkulturland (Spielplätze, öffentliches Grün usw.) bedarf einer Genehmigung durch die zuständigen Pflanzenschutzämter. Insbesondere auf versiegelten Flächen ist die Anwendung von Unkrautbekämpfungsmitteln verboten, weil dadurch das Oberflächenwasser stark belastet wird.

Konkrete Informationen, die ständig aktualisiert werden, bekommen Sie auf der Webseite des „Dienstleistungszentrums ländlicher Raum Rheinpfalz“:
http://www.pflanzenschutz-hausgarten.de/

Wirkstoffangabe bei PflanzenschutzmittelnWie ein Unkrautbekämpfungsmittel seine Wirkung entfaltet, hängt vom Wirkstoff ab. Im Handel sind ungezählte Präparate, die sich auf wenige Wirkstoffe stützen. Um die Präparate in ihrer Wirkung und im Preis vergleichen zu können, achten Sie also auf den Wirkstoff. Sie werden schnell merken, dass es bei verschiedenen Präparaten mit dem gleichen Wirkstoffinhalt unvorstellbare Preisunterschiede in den Anwendungskosten je qm gibt.
Das wichtigste steht schon auf der Verpackung (Wirkstoff, Zulassungsnummer,Anwendung, Zulassung bei beschriebener Indikation usw.
Wichtige Hinweise auf der Verpackung

 

Wir unterscheiden Totalherbizide und Selektivherbizide.

 

Totalherbizide

Es sind Unkrautbekämpfungsmittel, die auf alle Pflanzen wirken. Sie werden z.B. eingesetzt, bevor verwilderte Flächen wieder in Kultur genommen oder extrem verunkrautete Rasenflächen generalsaniert werden. Bekanntestes Präparat in dieser Gruppe ist z.B. „Round up“ mit dem Wirkstoff Glyphosat. Sie werden schnell entdecken, dass die meisten Totalherbizide dieses Glyphosat nutzen.
Ein Preisvergleich lohnt sich also.
Systemische Präparate werden von den Blättern aufgenommen, in der ganzen Pflanze verteilt und führen so zum Absterben der ganzen Pflanze. Bewährter Wirkstoff ist Glyphosat, eine Salzverbindung, die relativ schnell abgebaut wird (für den Haus- und Kleingarten z.B. Round up, Vorox). Allerding nur auf intaktem, offenem Kulturboden.
Werden solche Mittel auf befestigten Flächen gespritzt, kann der Wirkstoff nicht abgebaut werden und wandert in die Kanalisation. Auch die Verwendung in der Nähe von Gewässern ist untersagt.
Wichtig ist, systemische Mittel während der Vegetationszeit (April – Oktober) auszubringen. Je aktiver die Pflanzen wachsen, um so effektiver ist die Wirkung der Anwendung. Die Pflanzen sollten genügend Blattmasse entwickelt haben, um den Wirkstoff aufzunehmen. Und natürlich muss die Applikation am Blatt einige Stunden trocknen können. Ein Regenguss unmittelbarer nach der Anwendung macht die Wirkung u.U. zunichte.

Daneben gibt es Präparate mit Kontaktwirkung. Hier werden nur die besprühten Pflanzenteile vernichtet. Wurzelunkräuter werden wieder austreiben. Ein umweltfreundlicher und gleichzeitig effektiver Wirkstoff dieser Gruppe ist die Pelargonsäure, eine in der Natur häufig vorkommende Fettsäure, die die Blätter verbrennt (z.B. Finalsan).

 

Selektivherbizide

Unterschiedliche Stoffwechselvorgänge bei verschiedenen Pflanzenarten nutzt man mit selektiven Herbiziden aus. Gräser gehören zur Gruppe der einkeimblättrigen Pflanzen, zu denen die Gräser gehören. Die meisten breitblättrigen Kräuter gehören zu den zweikeimblättrigen Pflanzen. Sie reagieren sehr empfindlich auf verschiedene Wachstumshormone (Auxine). Im Rasen sind es 4 Wirkstoffe, die – teils miteinander kombiniert – die Unkräuter vernichten, dem Rasen aber nicht schaden. Soweit die Theorie. Bei der praktischen Anwendung ist einiges zu beachten.
• Es gibt manche recht hartnäckige Kräuter, gegen die „kaum ein Mittel gewachsen ist. Der   Schachtelhalm gehört dazu, die Ackerwinde oder der Huflattich.
• Die Natur wird sich ihren Einflüssen anpassen. Das heißt, gerade bei regelmäßigem Gebrauch, also mehr als einmal pro Jahr, halte ich eine Resistenzbildung der Kräuter für möglich. Wissenschaftliche Erkenntnisse darüber sind mir allerdings nicht bekannt. Im Privatgarten halte ich die Verwendung von selektiven Herbiziden nur in wenigen Einzelfällen für gerechtfertigt.
• Die Anwendung muss während der Wachstumsperiode erfolgen und natürlich muss der Wirkstoff auch aufgenommen werden, bevor es wieder regnet.

Bei einer Anwendung von Herbiziden werden Sie sich darüber klar, gegen welche Kräuter Sie vorgehen möchten. Eine gezielte Anwendung ist wirkungsvoller als ein Universal-Mittel. Auf den Packungen stehen sowohl die Wirkstoffe, als auch das Wirkungsspektrum. Das Angebot an selektiven Unkrautvernichtern ist riesig und ändert sich in immer kürzeren Abständen. Deshalb hilft es Ihnen nicht viel, die z.Z. aktuellen Präparate aufzulisten. Ich habe recht gute Erfahrungen mit Banvel M, Duplosan Kombi und Dicotex.
Lassen Sie sich im Fachhandel über aktuell zugelassene Mittel für Ihren Verwendungszweck beraten.
Wer sich verbindlich und umfassend bei amtlicher Stelle informieren will, für den ist das Verzeichnis zugelassener Pflanzenschutzmittel, herausgegeben vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, interessant.

Oder keine Bekämpfung?

 

Optimale Bedingungen

Ich habe es schon mehrfach gesagt: Optimale Pflege ist die beste Kräuterbekämpfung. Dann gibt es nur noch wenige, die Sie ärgern können. Dagegen hilft vielleicht auch eine andere Einstellung zur Natur.
Extensivrasen
Ich mache keinen Hehl daraus: Extensiv gepflegter Rasen würde keinen Schönheits-Wettbewerb gewinnen. Er wird nur ca . 12-14 mal im Jahr gemäht und kaum gedüngt. Als „Gegenleistung“ stellen sich viele bunte Blumen ein. Dass Extensivrasen ökologisch wertvoll ist, können Sie sich denken.
Allerdings taugt der Rasen dann weder zum Spielen, noch zum Relaxen und schon gar nicht als „Repräsentationsgrün“.

 

Ein gesunder Kompromiss

Ich will es nochmal betonen: Pflegen Sie Ihren Rasen, wie Sie möchten – alles ist in Ordnung. Mir ist wichtig, dass sich keine Denkmuster einschleichen, die uns und die Natur behindern.

IMG_3755Konkreter: Überprüfen Sie sich und Ihre Einstellung zum Rasen. Wenn Sie einen Rasen zum Repräsentieren brauchen – OK, dann ran an die Arbeit. Wenn Sie aber nur meinen, dieses oder jenes „Unkraut“ habe im Rasen nichts verloren, dann lohnt es sich schon, darüber nachzudenken. Schadet es dem Rasen? Wird es sich unaufhaltsam ausbreiten oder kann ich es durch vernünftige Rasenpflege in Schach halten? Stört es die Funktion des Rasens als Spielwiese?

Ich bin mir sicher, dass Sie nach Beantwortung dieser Fragen wesentlich gelassener mit der Frage umgehen, was, ob überhaupt und wie viel Sie gegen Fremdkräuter unternehmen. Selbst in einem kleinen Reihenhausgarten gibt es Ecken, die nicht wirklich als Rasen genutzt werden. Was halten Sie davon, ein paar Quadratmeter extensiv zu pflegen? So schaffen Sie sich innerhalb der Rasenfläche eine kleine, attraktive Natur-Insel.

Besinnung unter Segeln – Tagebuch einer Atlantiküberquerung

Das Buch ist erschienen: Hardcover, 292 Seiten, 19,95 €
Spannung - Tiefgang - Reflexion.
Buchbeschreibung und Leseproben finden Sie hier.

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